Wie bitte?

Aktualisiert: 19. Jan. 2021

(Selbst-)sichere Argumente für das Tragen von Babies und Kindern gegenüber dem besorgten Umfeld.




Aufgrund meiner eigenen Erfahrung, der Erfahrungen meiner Trageeltern, sowie Erfahrungsberichten meinem persönlichen Umfeld, kommt es immer wieder vor, dass Eltern, mit diversen Sorgen konfrontiert werden.

Falls du das auch schon erlebt hast und plötzlich nicht mehr sicher warst und dir vielleicht die Frage gestellt hast:

„Bin ich auf dem richtigen Weg?“

Dann möchte ich dich gerne mit diesem Beitrag stärken. Ich möchte dir deine Zweifel nehmen, denn ich weiß nur zu gut wie es sich anfühlt, wenn Sorgen aus dem Umfeld ausgesprochen werden. Ich spreche bewusst von Sorgen, denn auch wenn Ratschläge sich für eine frischgebackene Mama oftmals unangebracht anfühlen, steckt doch näher betrachtet, immer eine Sorge hinter der Äußerung oder der kritisch formulierten Frage.

Eine Sorge dir gegenüber, eine Sorge gegenüber deinem Baby, eine Sorge, welche für unser Gegenüber oft nicht einfach zu beantworten ist. Du darfst dir die folgenden Argumente, gerne mit auf deinen Weg nehmen, ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen und Schmunzeln ;)


"Bekommt's da überhaupt Luft?"

Die Sorge: Sauerstoffmangel beim Baby

Das Argument: Solange das Näschen deines Lieblings freiliegt, ist soweit alles in Ordnung. Achte auch darauf keine Schals etc. zu verwenden, damit die Nase nicht unabsichtlich verdeckt wird. Es ist auch wichtig, dein Baby nicht zu dick einzupacken, damit es zu keiner Überhitzung kommen kann und die Sauerstoffversorgung optimal bleibt.

Nach oben orientierte Arme unterstützen übrigens die Atmung bei Neugeborenen im Tragetuch. Deine Aufmerksamkeit sollte trotz aller Sicherheitsvorkehrungen immer bei deinem Baby sein.


"Eh klar, dass sie immer schreit, sobald du weg bist, wenn sie immer bei dir pickt"

Die Sorge: Vermehrtes Schreien durch häufiges Tragen

Das Argument: Kontaktweinen ist seit Jahrtausenden überlebensnotwendig.

Unsere Kinder sind evolutionär so "programmiert", dass sie stets den Schutz von ihren Bezugspersonen, (ihren sicheren Hafen) suchen. In der Urzeit, als wir noch Jäger und Sammler waren, wären Babies die irgendwo abgelegt wurden und dann friedlich tief und fest (durch-)schliefen, bald wilden Säbelzahntigern zum Opfer gefallen. Unsere Babies haben dies also noch im Unterbewusstsein gespeichert und wissen nicht, dass es in unserer Zeit keine wilden Tiere mehr gibt und sie in Ruhe schlafen könnten.

Der Grund des ständigen Aufwachsens beim Ablegen ist also eine absolut schlaue Vergewisserung deines Babies, ob es nicht alleine gelassen wurde. Allein sein bedeutet nämlich Hilflosigkeit und Hilflosigkeit bedeutet Sterben, da (auch heute noch) eine alleinige Nahrungsaufnahme, Schutz und Wärme wie z.B. bei Nestflüchtern, selbstständig nicht möglich ist.

Wir Menschen sind als Traglinge geboren, da wir weder in die Kategorie der Nesthocker noch der Nestflüchter passen.

Aufgrund dessen ist uns, Gott sei Dank, der Reflex „Kontaktweinen“ angeboren.

Seit Jahrtausenden sind Traglinge eben darauf angewiesen von ihren Eltern beschützt zu werden und auch heute noch sind wir an diese Jäger-Sammler Zeit angepasst. Das war für Millionen Jahre überlebenswichtig. "Die 10.000 Jahre in denen wir Kinder in Häusern sicher unterbringen können sind dagegen ein evolutionärer Wimpernschlag." (c) Nicola Schmidt.

Mit diesem Wissen ist es also naheliegend, dass zu viel Tragen keinerlei Einfluss darauf hat, ob das Baby mehr oder weniger schreit wenn es viel getragen wird.

„Da gewöhnen sie sich nur dran und dann bekommst du sie nie mehr weg.“

Die Sorge: Fehlende Selbstständigkeit

Das Argument: Kinder lernen erst im Laufe der Entwicklung, was in ihrem Umfeld als sicher wahrgenommen werden kann. Tragen unterstützt und verbessert aktiv die Kommunikation und Bindung zwischen Träger und Kind, gleichzeitig wächst das Vertrauen und die Sicherheit stetig. Getragen wachsen Flügel eben weiter.

Wie ich oben schon geschrieben habe, suchen Kinder aufgrund anhaltender Instinkten immer unseren Schutz. Als Baby ist es das Kontaktweinen und auch darüber hinaus, z.B. im Kleinkindalter, wenn es so aussieht als wären unsere Kleinsten schon super selbstständige Wesen, weil sie eine wahnsinnige Neugierde, Entdeckerfreude und Kommunikationsbereitschaft entwickelt haben, ja gerade dann, suchen sie DICH, als ihren sicheren Hafen umso bewusster. Denn alles Neue, so lustig das Entdecken auch ist, bringt gewisse Ängste mit sich. Progammiertes muss neu programmiert werden, gewohntes wird umstrukturiert. Wenn wir uns Erwachsene näher betrachten, begleitet uns dieser Instinkt unser Leben lang. Veränderungen werden immer wieder von Ängsten begleitet, auch wenn wir furchtlos auf sie zu gehen. Versetze dich, dies ist übrigens etwas, dass ich dir für alle Lebenslagen mit deinem Liebling mitgeben möchte, in die Lage deines Babies. Als Neugeborenes sieht es die Welt nur von oben, wenn es zu krabbeln beginnt erweitert sich das Sichtfeld auf einmal enorm, wenn es gehen lernt, verändert sich die Augenhöhe, und es sieht um einiges mehr als noch z.B. vor 6 Monaten. Du kannst es dir so vorstellen; wenn wir Erwachsene immer tiefere Ozeane erkunden, ist es primär aufregend, aber auch beängstigend. Während dieser Veränderungen, brauchen unsere Lieblinge unsere Unterstützung ganz besonders und kehren vermehrt in unsere Arme zurück. Bildlich gesagt: wie ein kleines Jojo.


Du wirst im Laufe der Baby und Kleinkindzeit also permanent versuchen den Spagat zwischen der eigentlichen geplanten Tätigkeiten (es ist übrigens vollkommen legitim, diese mal hinten anzustellen) und deinem Liebling hin- und her laufen, zu schaffen. Dein Kind möchte letztendlich doch wieder zurück auf deinen Arm. So liegt es also nur Nahe, dein Baby in einem Tragetuch oder eine Tragehilfe bei diesen Prozessen zu unterstützen, da du dann zusätzlich die Hände, und auch den Kopf, frei hast für Hausarbeit, Geschwister oder was eben sonst zu tun ist. Zu dem dass es für dich unterstüztend ist, verbessert Tragen auch aktiv die Kommunikation und Bindung zwischen dir und deinem Baby, da bei deinem Liebling Vertrauen und Sicherheit wächst und wächst und wächst umso enger du es begleitest. Auf diese Weise ermöglichen wir, anstatt manipulative Tyrannen hochzuziehen eine gesunde kognitive Entwicklung… wenn…


„So lernt sie ja nie gehen!“

Die Sorge: Fehlende oder späte Entwicklung durch zu wenig Bewegung Das Argument: Wenn wir entwicklungsorientiert tragen, beeinflussen wir die Entwicklung des Kindes in jeglicher Hinsicht positiv.

…du entwicklungsorientiert trägst.


Beim entwicklungsorientierten Tragen deines Babys werden alle seine Körpersinne stimuliert;

Das Taktile System – Wahrnehmung der eigenen Körpergrenzen

Das Viszerale System – Wahrnehmung der inneren Organe

Das Kinästhetische System – Wahrnehmung der Lage der Körperteile zueinander und im Raum

Das Vestibuläre System – Wahrnehmung zu Schwerkraft, Bewegung und Gleichgewicht

Alle Fernsinne wie Gleichgewichtssinn, Geruchssinn, Geschmackssinn, Gehörsinn, Tastsinn und Sehsinn. Das bedeutet, dass der Körper deines Babys, so wie das Gehirn, die Sinne, und alles was für eine gesunde Entwicklung essentiell ist, während dem Tragen reifen kann. Nicht nur während dem Tragen, sondern sogar durch das Tragen bekommt dein Liebling also zusätzliche wichtige Impulse für die Entwicklung. Diese erreichen deinen Liebling z.B. durch den Körperkontakt oder die Bewegung deines Körpers .

Um entwicklungsorientiert zu tragen, muss aber stets altersgerecht die richtige Trageposition/Bindeweise gewählt werden.

Das bedeutet in Kurzform, mehr darüber in der Trageberatung, bei einem Neugeborenen, geringe Abspreizung, das Tuch stützt das Kind so dass es nicht in sich zusammensacken kann und der Kopf muss dauerhaft gestützt werden. Im Vergleich zum Kleinkind hingegen, welches unbedingt am Rücken getragen werden sollte (Stichwort: Beckenboden) wo es in Ordnung ist die Abspreizung größer als 90 Grad zu haben, da dein Kleinkind sich viel bewegt, der Kopf muss im Wachzustand nicht mehr gestützt werden, und dein Liebling ist in der Lage sich selbst aufrecht zu halten. Jedes Kind möchte auch mit zunehmendem Alter mehr sehen, was auch wiederum relevant dafür ist ob du deinen Liebling vor dem Bauch, auf der Hüfte, oder am Rücken trägst.

Wichtig zu wissen ist also, dass wenn wir entwicklungsorientiert tragen, unseren Liebling in jeglicher Hinsicht fördern und nicht behindern.

"So eine Position (der Wirbelsäule), kann nicht gesund sein"

Die Sorge: Verformung der Wirbelsäule, weil sie nicht gestreckt wird. Das Argument: Die doppelte S-Wirbelsäule eines Erwachsenen entwickelt sich erst mit dem Gang deines Lieblings. Wichtig zu wissen ist, dass die gesamte Anatomie eines Babies aufs Tragen ausgerichtet ist. Der Greifreflex, sorgte in Urzeiten dafür, dass ein Baby sich, während die Karavane weiter zog, bei Mamas „Fell“ festhalten konnte. Zur zusätzlichen Unterstützung ist uns der Anhock-Spreiz Reflex angeboren worden um auch mit den Beinchen Halt zu finden. Bestimmt hast du schon beobachtet, dass dein Baby die Beinchen automatisch anzieht sobald du es hoch hebst. Genau das, ist der Anhock-Spreiz-Reflex, der bis heute evolutionär bedingt geblieben ist.


Tatsächlich entwickelt sich nämlich die bekannte doppelte S-Form Wirbelsäule erst im Laufe des ersten Lebensjahres. Geboren wird das Baby also in physiologischer Rundhaltung.

Zuerst stabilisiert sich die Halslordose, sobald der Unterarmstütz beherrscht wird, dann kommt es zur Rundung der Brustwirbelsäule nach hinten (wenn die Kinder sitzen können) und letztendlich stabilisiert sich auch die Lendenlordose, welche einen stabilen Gang ermöglicht.

In Anbetracht der Anatomie, der Sinne und der Entwicklung ist es also natürlich essenziell den Verlauf der Wirbelsäule altersgerecht ins Tragen mit einzubinden. Demnach ist es unerlässlich, dass dein Liebling mit dem Gesicht zu dir getragen wird, denn wenn du "Rücken an Bauch" trägst, ist eine natürliche Rundung der Wirbelsäule unmöglich und dein Baby wird unnötig gestreckt.


„Ist dir das nicht zu schwer?“ „Hast du keine Rückenschmerzen?“

Die Sorge: Haltungsschäden bei der tragenden Person Das Argument: Durch geschulte Bindeweisen schaffen wir eine aufrechte gesunde Körperaufrichtung. Keine Ausgleichshaltung notwendig.

Prinzipiell schaffen wir durch eine straffe und feste Bindeweise eine aufrechte Haltung bei der tragenden Person und erzeugen eine gesunde Körperhaltung. Natürlich müssen wir darauf achten keine Ausgleichshaltung einzunehmen.

Bei einer Trageberatung erkläre ich dir genau wie du schonend mit deiner Wirbelsäule, deinem Beckenboden und deinen Bandscheiben während dem Tragen umgehst.

Wichtig zu wissen ist auch, dass durch das kontinuierliche Wachstum deines Babys auch deine Muskeln kontinuierlich immer weiter aufgebaut und dadurch gestärkt werden.

Zum Beispiel, eine Mama, die ihr Baby bis ins Kleinkindalter trägt empfindet das Gewicht leichter als zum Beispiel der Opa deines Lieblings, der das Kleinkind ein Mal beim Wandern trägt.


Auch hier gibt es eine kurze Antwort, welche ich hier gerne mit einer Gegenfrage beantworten würde: Ist es nicht besser dein Baby in einem Tuch oder einer passenden Tragehilfe zu tragen, wo wir durch die Bindeweise automatisch eine gesunde Körperaufrichtung erhalten, anstatt unser Kind einseitig am Arm zu tragen und so ganz bewusst eine schädliche Ausgleichshaltung zu produzieren?


Dies gilt, natürlich, nur für gesunde Träger, sollten Beschwerden jeglicher Art auftreten oder schon vorweg vorhanden sein, muss das natürlich individuell (ggf. in Begleitung des Arztes) betrachtet werden.


Für das nächste Mal, wenn du also mit einer Sorge, rund ums Tragen konfrontiert wirst, bist du nun ausreichend gerüstet und kannst in ein paar kurzen Sätzen, die Sorge aus der Welt schaffen und dein Gegenüber ausreichend beruhigen.

Denke immer daran:

"Getragen wachsen Flügel weiter. "

Fall du noch Fragen hast, schreib mir gerne im Chat oder per Mail. Sonnige Grüße Lisa

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